Fingerquetschverletzung

 

Arbeitsunfall in einer Münchner Brauerei an einem Förderband:

 

57-jähriger Brauereiarbeiter rutscht mit der Hand ab und gerät mit seinem rechten Ringfinger zwischen zwei Transportrollen des Förderbands. Dabei wird das Ringfingerendglied regelrecht zerquetscht, der Fingernagel aus dem Nagelbett herausgehebelt, der Weichteilmandel ist mehrfach aufgerissen und zerfetzt.

 

Chirurgische Versorgung der Verletzung in meiner Facharztpraxis.

Zunächst erfolgt unter sterilen OP-Bedingungen die Inspektion und grobe Reinigung der Wunde, um einen Anhaltspunkt über das Ausmaß der Verletzung zu erhalten. Nachdem man ein grobes Bild über Gefäß-, Nerven- und Sehnenverletzungen hat, erfolgt die örtliche Betäubung des Ringfingers (Leitungsanästhesie nach Oberst). Da in der Wunde Knochenanteile liegen, erfolgt sofort die Röntgendiagnostik, um eine genaue Einschätzung der Knochenverletzung zu haben und entsprechende Therapiemaßnahmen treffen zu können.

 

Das knöcherne Englied ist gequetscht, der Knochen ist in viele kleine Knochensplitter zertrümmert.

Es erfolgt proximale Kürzung des luxierten und quer frakturierten Nagels, dann Revision des Nagelbettes, Reposition der Fraktur und Entfernung avitaler Knochenanteile. Sodann wird die Naht des Nagelbettes durchgeführt und der Nagel refixiert. Readaptation der Wunden an der Fingerbeere nach Reinigen und sparsamer Anfrischung der avitalen und gequetschten Wundränder.

Die Fraktur wird in einer Zweifingerunterarmkunststoffschiene für 3 Wochen ruhiggestellt, aus der Schiene heraus werden bei den regelmäßigen Verbandwechseln krankengymnastische Übungen durchgeführt.

 

21 Tage nach dem Unfall bestehen trockene Wundverhältnisse, das Nahtmaterial wird am 14. postoperativen Tag entfernt. Die Wundränder sind noch verkrustet, im Wundareal schildert der Verletzte Missempfindungen.

 

Es werden durch regelmäßige Handbäder die Verkrustungen gelöst.

 

Sechs Wochen nach dem Unfall ist die Fingerkuppe abgeheilt, es bestehen noch Missempfindungen an der Fingerkuppe aufgrund der Nervenverletzung. Diese werden im Laufe der Zeit durch Trainieren und Abhärten der Kuppe therapiert. Der refixierte Nagel diente vor-übergehend als Schienung für das Nagelbett und wurde mittlerweile durch den nachwachsenden Nagel abgestoßen. Die Beweglichkeit des Endgelenks ist nahezu vollständig wiederhergestellt.

Insgesamt ist ein sehr gutes funktionelles und kosmetisches Ergebnis erreicht worden. Durch die rekonstruktiven Maßnahmen unmittelbar nach dem Unfall konnte der Ringfingernagel und das Endglied erhalten, und eine stabile Fingerkuppe wiederhergestellt werden.

Dieser Fall zeigt die hohe Qualität einer wohnort- bzw. unfallortnahen, schnellen Versorgung in der chirurgischen Facharztpraxis und der konsequenten, postoperativen Weiterbehandlung durch den Operateur. Vom Zeitpunkt des Eintreffens nach dem Unfall bis zur Abheilung hat der Patient seinen Chirurgen als Ansprechpartner, der wiederum den Krankheitsfall in jeder Phase genau kennt und adäquat seine Therapieentscheidungen treffen kann.